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Ich, Hütte

Verlockend präsentieren die Furchen sich dem Falken.
Schwebend erahnt er den Geschmack der braunen Maus.
Offen liegt das Land und still.
Ein alter Apfelbaum dorrt im hohen Gras,
mit gelben Mumien an den Ästen.
Seitwärts aus der Eiche schnattern Elstern.

Am Hang steht jemand und schaut rüber,
mit einem Fernglas,
und über mir
erbricht die Eule Gewöll.

Viele Käuze haben vor meine Stufen gekotzt,
viele Spinnen zierlich unterm Vorsprung gezittert.
Ein Waschbär kam einmal durchs Dach,
nass und schwer.
Er schnaufte, der Mittelbalken knarrte.
Oft gab es Fledermäuse, selten Schwalben und Segler.

Einmal war ein Pferd angebunden, durstig und wütend.
Manchmal spielte ein Kind allein.
Einmal waren sie zu viert, Jungen und Mädchen,
oder nicht nur ein Mal, ein ganzes Jahr vielleicht,
oder eine Kinderzeit lang.
Einmal fiel der Mann von der Leiter.
Oder nicht nur ein Mal, vielleicht jeden Tag.
Einmal kam er nicht wieder zurück.

Einmal fällt der Apfelbaum ins Gras
oder, wenn es Winter ist, auf den fetten Acker.
Eines Tages fängt der Falke keine Maus,
kein Küken, keinen Frosch, keine einzige lange Libelle.
Dann liegt er im Kraut, mit den Klauen oben,
so wie der Baum die Erdklumpen von sich spreizt.
So wie der Mann, als er fiel, die Füße oben hatte.

Einmal wird oben unten sein.


Titelbild: Zak Boca auf Unsplash.

Published inLyrik
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Kai Vogelsweg
Administrator
8 Stunden zuvor

Ein sehr schönes Gedicht – vielen Dank, dass ich es auf meinem Blog teilen darf 🛖 ✨